Erinnerung gegen das Vergessen

Stolpersteininitiative

Rund 200 Interessierte waren jeweils zur Verlegung von vier Stolpersteinen nach Treppach und nach Wasseralfingen gekommen.

Auf dem Bild sind die drei Stolpersteine mit Kerzen zu sehen.
Stolpersteinverlegung Wasseralfingen und Treppach (© Stadt Aalen)

„Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen wird“.

Dieses Zitat aus dem Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, hat der Kölner Künstler Gunter Demning zum Leitwort seiner Stolperstein-aktion gemacht. Mit diesem quadratischen Steinen soll die Erinnerung an die Menschen am Leben erhalten werden, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind.

Maria Angstenberger,Boguslaw Drazek und der gemeinsame Sohn

In Treppach verliebte sich die junge Frau Maria Theresia Angstenberger in einen polnischen Zwangsarbeiter und zahlte dafür mit dem Leben. Auch ihr Freund Boguslaw Drazek wurde laut Augenzeugen verhaftet und vermutlich mit dem Tode bestraft. Der gemeinsame Sohn wurde der Mutter kurz nach der Entbindung weggenommen – er starb wenige Monate nach seiner Geburt im Dezember 1943.

Schuster Adam Vogt

In Wasseralfingen hielt der Schuster Adam Vogt an seiner Freundschaft zu einer jüdischen Familie fest, unterstütze sie bei der Migration in die USA  und überlebte den Krieg nicht. „Meinungsstärke ist gefragt, denn die Gefahr von Extremismus ist auch heute nicht gebannt“, sagte Ortsvorsteherin Andrea Hatam bei der Stolpersteinverlegung für Adam Vogt in der Schloßstraße 42.

Stolperwelle

Im kommenden Jahr soll am ehemaligen Standort des KZ-Außenlagern in Wasseralfinen eine Stolperwelle verlegt werden. Diese erinnert nicht an einzelne Menschen, sondern an das Unrecht insgesamt, das den Häftlingen damals widerfahren ist.

„Das gemeinsame Erinnern an die Opfer und an die Gräueltaten des Nationalsozialismus gehört zu unseren vornehmensten Pflichten unsrer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft“, so Oberbürgermeister Frederick Brütting.

OB Brütting und Ortsvorsteherin Hatam dankten dem breiten bürgerschaftlichen Bündnis von Stolpersteininitiative. Bund für Heimatpflege und dem Deutschen Gewerkschaftsbund für deren Engagement.

Weitere Informationen

Die Wasseralfinger Kerzenmacherin Maria Frank hat zur Erinnerung an die Opfer eine Kerze für die Kapelle in Treppach gestiftet.

Vor 25 Jahren hat der Künstler Gunter Demning das Stolpersteinprojekt gestartet und bislang über 75.000 Steine europaweit verlegt, die an die Opfer der Gewaltherrschaft erinnern. Im Anschluss an die Stolpersteinverlegung in Treppach trug sich Gunter Demning ins Goldene Buch der Stadt Aalen ein.

Eine Musikgruppe der Karl-Kessler-Schule sowie die Sängerlust Treppach umrahmten die Verlegungen musikalisch.

© Stadt Aalen, 08.11.2021